Rowan Coleman: Einfach unvergesslich

Zum Buch:
Der Name deiner erstgeborenen Tochter. Das Gesicht deines Mannes. Dein Alter. Deine Adresse. Was wäre, wenn du dich an all diese Dinge nicht mehr erinnern könntest? Was wäre, wenn es kein Gestern mehr gäbe, sondern nur noch den Zauber einzelner Augenblicke? Neuerdings weiß Claire nicht mehr, welcher Schuh zu welchem Fuß gehört. Oder wie das orangefarbene Gemüse heißt, das auf dem Herd köchelt. Und manchmal geht sie im Pyjama spazieren. Sie weiß, dass das nicht normal ist. Doch das Leben ist zu kurz, um Trübsal zu blasen. Und so schreibt sie, noch bevor die letzte Erinnerung verblasst, all die großen und kleinen Momente der vergangenen Jahre nieder. Wohl wissend, dass diese Gedankenschnipsel schon bald das Einzige sein werden, was ihrer Familie von ihr bleibt. Dabei gibt es noch so viel zu erledigen: Sie muss sich mit ihrer Tochter versöhnen und ihrem Mann zeigen, wie sie die Lieblingslasagne ihrer Kinder zubereitet. Sie muss ein letztes Mal leben, frei sein, sich vielleicht auch neu verlieben. Denn das Leben ist eine Wundertüte. Und wenn die Zeit davonrennt, ist jede Minute kostbar.

Claire ist Mitte 40, Mutter einer erwachsenen und einer 3 jährigen Tochter. Sie ist mit einem jüngeren Mann verheiratet, eine beliebte Lehrerin, gute Tochter und sie hat AD … Alzheimer Demenz.

In diesem Buch geht es um den ganz normalen Alltagswahnsinn einer Demenzkranken und ihrer Familie. Ich benutze bewusste das Wort Wahnsinn, weil ich es immer so selbst, in meinem eigenen Familienfall, so empfunden habe, das man fast wahnsinnig wird. Als Demenzkranker verändert man sich nicht nur selber sondern auch die Menschen um sich herum mit denen manverknüpft ist.
In Claires Fall ist es ihre Tochter Caitlin, die nicht nur mit ihren eigenen Problemen (unbekannter Vater, Schwangerschaft) kämpfen muss sondern auch jetzt auch mit der Wesensveränderung ihrer Mutter klar kommen muss. Ruth, Claires Mutter, die sich eigentlich in ihr eigenes Leben zurück gezogen hat muss plötzlich wieder für ihre Tochter und Rest ihrer Familie da sein. Und Greg, er muss hilflos zusehen wie sich seine große Liebe von ihm immer mehr abwendet, weil sie nicht mehr weiß wer er ist.

Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten hin einzufinden. So ist das aber im Leben eines Demenzkranken. Man versteht ihn überhaupt nicht. Und kommt damit gar nicht zu Rande. So wie der Betroffene lernen muss mit seiner Krankheit zu leben, so müssen wir lernen umzudenken. Und genau das habe ich gemacht. Ich habe umgedacht und angefangen aus beruflicher Sicht das Buch zu lesen. Ich habe es wie eine Betreuerin gelesen. Und sofort habe ich das Buch und Claires Welt verstanden. Sicher ich habe Glück, das beruflich mit der Krankheit zu tun habe und mir das Verständnis für diese Geschichte leichter viel. Aber ich kenne aber auch aus private Seite die Krankheit und weiß um ihre Probleme.
Dieses Buch zeigt auf wunderbare einfühlsame Weise die große und kleinen Probleme im und um den Alltag einer Demenzkranken. Aber auch die schönen Seiten, denn ja auch die gibt es nach wie vor im Leben von Claire.
Ich finde es großartig das auch die Perspektiven der Angehörigkeiten gezeigt wird und das es alles andere als einfach ist mit einem Betroffenen unter einem Dach zu leben. Ich weiß das viele Betroffene und ihre Angehörigen auf Unverständnis treffen. Ich muss es wissen, denn ich war selber , wenn auch in einer anderen Form, in Caitlins Situation. Hinzukommt das ich durch meinen Job jeden Tag mit Demenzkranken zu tun habe und um deren Probleme und Sorgen weiß.

Die Autorin schafft es auf sehr einfühlsame Art die Krankheit Demenz zu erklären, so das auch jeder Laie sie sich vorstellen kann. Ich finde die Metapher vom grauen Nebel wunderbar getroffen.
Doch das schönste für mich persönlich an dem Buch ist Claire Erinnerungsbuch. Ich finde jeder sollte so ein Buch führen. Egal ob er oder sie jemals betroffen ist.

Jetzt möchte ich noch mal kurz auf das Cover eingehen, weil ich so viele verschiedene Meinung dazu gelesen haben.
Meiner Meinung nach spiegelt es für mich die innere Unruhe und Agressivtät eines Dementen nach.
Wenn man lang genug drauf schaut machen die orangen Punkte einen unruhig und irgendwann verwandelt sich das orange in ein Neoorange und das macht ab einen gewissen Punkt aggressiv. Und das obwohl ich die Farbe orange liebe. Und genauso fühlen sich viele Demenzkranke, unruhig und wenn etwas nicht so läuft wie sollte, dann werden sie auch schon mal böse.
Ich finde das Cover ist zum Thema schon gut getroffen.


Mein Fazit:
Ich finde dieses Buch auf seine Art einfach nur bezaubernd schön und es hat mich oft kurz zum weinen gebracht, weil es mich noch einmal mit meiner eigenen Vergangenheit in Verbindung gebracht hat.
Ich werde das Buch meine ehemaligen Dozentin als Lesestoff für die Ausbildung zum Betreuer nahe legen.
5 von 5 Sterne

Kommentare

  1. Guten Morgen liebe Sanni,
    das Buch scheint wirklich gut zu sein. Vielleicht lade ich mir mal die E-Book-Version runter. Denn ich bin seit meinem Krankenhaus-Aufenthalt im Frühjahr noch schusseliger und vergeßlicher als ich sowieso schon seit frühester Jugend bin. Nein, das ist keine Demenz - das liegt in der Familie, sagt meine Tante. Aber das von Dir vorgestellte Buch scheint allgemein Ideen für den positiven Umgang mit dem Leben zu liefern -und das ist immer gut.
    Danke für diese Rezension.

    Liebe Grüße und eine schöne Woche

    Kerstin mit Finchen und Ayla

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