Mein Leben mit Herrn Fuchsberger: Warum ein Heimtier?

Diese Frage habe ich mir in den letzten 14 Jahren oft gefallen lassen müssen. Meine Gegenfrage dazu war immer: Warum nicht?
Die Argumente der Leute, die sie mir stellten, war echt erschreckend. Man weiß doch nie wem das Tier gehört hat. Man weiß doch nie wie das Tier reagiert und am Ende muss ich es umtauschen/ weggeben. Nein so ein Tier will ich nicht.

"Lulu" Luise und Abu

Mich erschrecken solche Antworten immer noch.
Klar ist ein Heimtier nicht unbedingt einfach. Schon gar nicht wenn es sich um ein älteres Tier handelt. Die wenigsten Tiere werden im Heim geboren. Sie werden nur dort hin abgeschoben, weil man sie nicht will. Ihrer überdrüssig ist, keine Zeit hat, der Besitzer verstorben ist oder sich man die Situation mit dem Tier anders vorgestellt hat.
Klingt brutal was ich sage? Ja?
Genau das soll es auch.
Im letzten Jahr verstarb unsere geliebte Persermischlingsdame Blanka. Blanka war das was man ein klassisches Traumatier nennt.
Geschlagen, gequält, halb verhungert, wohl oft auch alleine gelassen worden und am Ende ausgesetzt. So kam sie ins Tierheim.
Drei Monate war sie dort. Blanka war zwei Jahre alt und wer weiß was sie alles in den zwei Jahren durchgemacht hat.
Im Januar vor 15 Jahren zog sie dann bei meinen Eltern ein. Es war ein gutes Stück Arbeit bis sie uns vertraute. Und es sollte nie so sein das sie allen und jeden vertraute. Fremde, die Türklingel, ihre Transportbox, laute Geräusche und Verwandte die selten kamen waren ihr ein leben lang ein Gräuel. Sie hatte schlichtweg angst, auch wenn ihr keiner was tun wollte. Meine Eltern, meine Schwester und ich, wir waren die einzigen den sie vertraute. Und das bis zum letzten Atemzug. Als sie letztes Jahr nach schwerer Krankheit eingeschläfert werden musste, da hatten wir alle das Gefühl einen guten Freund und Familienmitglied verloren zu haben. Aber eines konnten wir mit guten Gewissen sagen: Blanka hatte 12 wunderschöne friedliche Jahre bei uns.  
Was ich sagen will, wer hat eigentlich gesagt das es einfach ist ein Heimtier oder Findelkind aufzunehmen? Niemand.
Doch diese Tiere sind sehr dankbar. Sie brauchen aber auch sehr viel Liebe und man selbst viel Zeit und vor allem Geduld für so ein Tier.
Ich denke nur an die ersten 24 Stunden mit Herrn Fuchsberger, die waren bestimmt nicht einfach. Aber wir haben es geschafft. Auch wenn ich jetzt fast 6 Monate später immer noch mit gewissen Widrigkeiten kämpfen muss. Aber er ist halt noch klein und ich sag mir immer er ist ein Waisenkind und lernt noch.

Blanka

Mein Problem ist, das gewisse Leute die mir die oben genannte Frage stellen meine Argumente nicht verstehen wollen oder können. Also komme ich immer mit dem Todschlagargument:

Ich: Sag mal, stell Dir vor Du bist Single und triffst die Liebe Deines Lebens. Ihr kommt Euch näher und irgendwann kommt man auch auf das Thema Ex-Partner. (Schweigen von meiner Seite aus.)
Die andere Person: Ja und? Wo liegt das Problem.
Ich (ganz empört): Wie Du gehst mit jemanden aus der vor die schon eine Beziehung hatte?
Die andere Person: Na klar, warum nicht?
Ich (immer noch empört): Du gehst mit jemanden aus der vor Dir schon eine Beziehung hatte? Das kannst Du doch nicht machen. Du weißt doch gar nicht wie Dein neuer Partner von seinem alten behandelt wurde. Das geht doch nicht. Wie kannst Du so jemanden vertrauen?

Ich weiß der Vergleich hingt. Aber was ich damit sagen will, einem neuen Partner geben wir eine Chance ohne das wir seine Vorgeschichte kennen. Warum nicht auch einem (Heim)Tier?

Vielleicht ist meine Einstellung zu Heimtieren aber auch nur so, weil ich von klein auf mit Heimtieren, Findelkindern, ausgesetzten Tieren oder Tieren aus zweiter Hand aufgewachsen bin. Und vielleicht bin ich deshalb vorurteilsfrei.
Im übrigen mein drei Papageien sind auch nicht aus der Zoohandlung um die Ecke. Abu ist mir zugeflogen. Luise, wäre ins Tierheim gekommen hätte ich sie nicht aufgenommen und Earl Greys Besitzer ist verstorben.

Blacky Fuchsberger


Ich würde mir immer wieder ein Heimtier holen. Im übrigen sind Heimtiere auch günstiger.
Ein Beisspiel: Blacky hat sich inzwischen als Bombaymix herausgestellt. Was vor 6 Monaten im Tierheim noch nicht ersichtlich war. Beim Züchter hätte ich für ihn Minimum 350 Euro bezahlt. Im Tierheim 50 Euro.

Im übrigen war es im letzten Jahr gar nicht so einfach mit einem Tier aus dem Heim nach hause zu gehen. Nicht das mir keines gefallen hat. Am liebsten hätte ich sie alle mitgenommen. Aber es gibt eben gewisse Rahmenpunkte (drinnen/ draußen, Behinderung, alt/jung usw) die Tiere dort  haben  und dem man selber gerecht werden muss. 

Ich hatte mindestens 10 Tiere auf meiner Liste die ich gerne mitgenommen hätte. Aber leider scheiterte es am Ende bei neun von zehn daran das sie entweder Teilfreigänger, noch nicht komplett geimpft oder für die Abgabe noch nicht frei  gegeben war. 
Glück für Blacky. Er hat auf allen Punken gesiegt und kam mit mir mit. 

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